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Heilende Wildkräuter
Alle unsere Kulturpflanzen sind entwickelte Formen von Pflanzen, die ehemals nur wild wuchsen. So sind z. B. alle Getreidearten die Nachfolgepflanzen von blühenden Gräsern. Salatsorten wie Kopfsalat, Schnittsalat, Radiccio und ähnliche sind die gezüchteten Nachfolger von Lattichge-wächsen. Chikorée ist eine Züchtung aus der Zichorienpflanze. Rucola, Senf, Raps, weiße Rübe und alle Kohlsorten sind Entwicklungen aus der Familie der Kreuzblütler Brassica.
Etliche Küchenkräuter wie Majoran, Oregano, Pfefferminze, Senf, Kümmel, Fenchel und Dill wachsen in südlichen Ländern auch heute noch in ihrer Wildform am Wegesrand. Auch Arnika, Hamamelis, Ringelblume, Lavendel, Salbei und Rosmarien sind Wildkräuter, die wir in Seifen, Salben, Duft- und Badeölen schätzen. Auch diese Kräuter finden wir in südlichen Ländern in ihrer ursprünglichen und natürlichen Form.
Wildkräuter sind also Pflanzen, die von Natur aus in ihrer natürlichen Umgebung wachsen: An Waldrändern oder an lichten Stellen des Waldes, an Weg- und Wiesenrändern oder auf Brachland. Häufig finden sie sich auch am Fuße von Böschungen. Da finden wir dann Brennnessel und Löwenzahn, Knoblauchrauke und Schafgarbe, wilden Schnittlauch und Bärenklau ebenso wie Beinwell.
In unserem Garten wachsen Wildkräuter, die wir meist als Unkräuter bekämpfen: Im Gras finden sich Gänseblümchen und Löwenzahn, unter den Bäumen Scharbockskraut, Taub- und Brennnessel. Zwischen den Steinen machen sich wilde Kresse und winziger Sauerampfer breit. Vogelmiere stört uns bei den Rosen und in Blumenkästen.
Einige Wildkräuter hegen und pflegen wir, weil wir sie als Blumen oder Gewürze schätzen: Veilchen, Lungenkraut, Vergissmeinnicht und Borretsch zum Beispiel.

Was Wildkräuter so wertvoll macht
Auf einem kleinen Platz wachsen viele unterschiedliche Pflanzen scheinbar sinnlos und "wild" durcheinander. Uns mag es ungeordnet erscheinen, doch in der Natur sucht sich jeder Same, jeder Sprössling, jede Wurzel und jeder Keim den Standort, an dem er sich optimal entfalten kann.
Jede Wildpflanze hat die richtigen Nachbarpflanzen und den richtigen Boden. Sonneneinstrahlung, Temperatur und Wind stimmen. Lebewesen im Boden: Bakterien, Pilze, Käfer, Würmer und viele mehr sorgen mit für die richtigen Bedingungen. Das alles trägt dazu bei, dass Wildkräuter sich gesund entwickeln können.
Wildkräuter wachsen immer zum genau richtigen Zeitpunkt. Das führt dazu, dass wir - je nach Kälte oder Wärme im Frühjahr - schon Anfang März oder auch erst gegen Mitte April die ersten Kräuter "ernten" können.
Überall, wo sich noch ein kleines Stück ursprüngliche Natur erhalten hat, finden wir Pflanzen aus unterschiedlichen Familien. So steht am Wegrand Gras und Klee und dazwischen streckt sich der wilde Schnittlauch zur Sonne. Da jede Pflanze andere Ansprüche an Nährstoffen hat, kann sich jede Pflanze das nehmen, was der Boden ihr zu bieten hat. So wird durch die Vielfalt der Bewachsung auch die Vielfalt an Nährstoffen genutzt.
Da aber jede Pflanze dem Boden auch wieder etwas zurückgibt - spätestens im Herbst - bleibt der Nährstoffgehalt im natürlich bewachsenen Boden erhalten. Es ist ein Kreislauf, in dem die Pflanze nimmt und gibt. Dieser natürliche Wechsel von Nehmen und Geben ist die Grundlage für den großen Wert unserer Wildkräuter. Sie enthalten wesentlich mehr Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine als Pflanzen aus dem Feldanbau jemals enthalten können. Daraus ergibt sich zweierlei: Wenige Wildkräuter geben uns viel lebenswichtige Nährstoffe! Die heilende Wirkung von Wildkräutern ist enorm.

Die heilende Wirkung von Wildkräutern
In frisch gesammelten Wildkräutern im Frühjahr ist die ganze Kraft für die gesamte Wachstums-periode gespeichert. Deswegen können sie uns schon in kleinen Mengen viel nutzen. Sie helfen uns, den Stoffwechsel zu beleben und Schlacken auszuscheiden.
Wir können Wildkräuter oder einzelne Teile von ihnen als Tee zubereiten, z.b. Löwenzahnwurzel, Brennnessel oder Schafgarbe. Wir können mit Blättern von Wildkräutern Salate, Suppen und Soßen anreichern. Wir können mit Blättern von Wildkräutern Wickel und Auflagen auf Wunden oder schmerzende Hautpartien machen. Das grüne Blatt vieler Wildkräuter wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend und aufbauend auf das Gewebe.

Wichtige Inhaltstoffe von Wildpflanzen
Pflanzen bieten uns die natürliche Zusammensetzung vieler Stoffe, die sich wechselseitig ergänzen und so die Wirkung erhöhen. Vitamin C z. b., das in einem grünen Blatt enthalten ist, wird vom menschlichen Organismus wesentlich besser aufgenommen als reine Ascorbinsäure.
Bio-Flavonoide
Stoffe in Pflanzen, die im Redox-Systems des menschlichen Körpers eine wichtige Rolle spielen. Freie Radikale werden durch dieses System unschädlich gemacht. Bio-Flavonoide sind auch wichtig für die wasserstoffübertragen im Stoffwechsel zwischen den Zellen. Bio-Flavonoide verstärken die Wirkung von Vitaminen und erhöhen ihre Wirksamkeit im Körper.
Chlorophyll - Blattgrün
Das Grün der Blätter ist ähnlich wertvoll wie der rote Farbstoff unseres Blutes. Das Blattgrün spendet uns reine Energie und verbessert unser Blut. Die dunklen Farbstoffe - Karotine genannt - sind oft viel intensiver als in Karotten oder Tomaten. Sie sind wichtig für die Gesundheit von Augen und Haut und beeinflussen den Zuckerstoffwechsel positiv.
Vitamine
Vitamine kommen in Pflanzen in ihrer natürlichen Form vor und haben die richtigen Begleitstoffe. Deswegen sind Wildkräuter - wenigstens im Frühjahr - einzelnen Präparaten vorzuziehen.
Eiweiß
Früher glaubte man, dass Eiweiß nur in tierischer Nahrung vorkommt. Heute weiß man, dass manche Pflanzen wertvolles Eiweiß enthalten. Beinwell hat z. B. in getrocknetem Zustand mehr Eiweiß als die hoch gepriesene Sojabohne. Frisch enthält er etwa 9 % Eiweiß. Auch die wichtigen Vitamine der B-Gruppe kommen in Wildpflanzen reichlich vor.
Mineralstoffe und Spurenelemente
Viele Wildpflanzen enthalten Kalzium, Magnesium und Kalium. Kupfer, Mangan und andere Spurenelemente sind ebenfalls vertreten. Wir haben hier vollwertige Nahrungs- und Heilmittel, wie die Natur sie uns schenkt.

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