|
Wildkräuter im zeitigen Frühjahr
Wildkräuter sind Pflanzen, die in ihrer natürlichen Umgebung wachsen: An Waldrändern oder an lichten Stellen des Waldes, an Weg- und Wiesenrändern oder auf Brachland. Am meisten finden sie sich am Fuße von Böschungen mit einem nicht zu dichten Strauchbestand auf der Kuppe. Da finden wir dann nicht nur Brennessel und Löwenzahn, sondern weiter oben können wir die frischen Blattknospen des Holunders pflücken.
Doch Wildkräuter wachsen auch in unserem Garten: Auf der Wiese finden sich Gänseblümchen und Veilchen, unter den Bäumen Scharbockskraut und immer wieder zwischen den Blumen der selten geliebte Löwenzahn. Fälschlicherweise werden all diese wertvollen Wildkräuter meistens als "Unkräuter" bezeichnet und bekämpft.
Wildkräuter und ihre natürliche Umgebung
Pflanzen, die in ihrer natürlichen Umgebung wachsen, wachsen niemals in Monokultur - wie zum Beispiel Radieschen im Garten oder Getreide auf dem Feld. Sie wachsen auch nicht in der Reihe wie Salat oder Blumen. Viele unterschiedliche Pflanzen wachsen scheinbar sinnlos und "wild" durcheinander. Vielleicht heißen sie auch deswegen Wildkräuter?
Überall, wo sich noch ein kleines Stück ursprüngliche Natur erhalten hat, finden wir immer Pflanzen aus unterschiedlichen Familien. Es stehen Gräser neben Taubnesseln, dazwischen wächst Vogelmiere und ein kleines Stück weiter finden wir wilden Schnittlauch. Oft genug erleben wir in unseren Blumenkästen solche wilden Überraschungen: Auch da macht sich mitunter gerne Vogelmiere breit. Löwenzahn in Blumentöpfen oder Balkonkästen findet sich allerdings kaum. Das hat seinen Grund.
Geheimnisvolle Botschaften
Ohne das Eingreifen des Menschen bilden die unterschiedlichsten Pflanzen eine Pflanzen-gemeinschaft, die für den jeweiligen Standort optimal ist. Manche Pflanzen verraten uns durch ihren Standort Geheimnisse: Wo die flachwurzelnde Vogelmiere wächst, ist der Boden nicht nur besonders nährstoffreich, sondern die Nährstoffe sind auch leicht erreichbar. Deswegen finden wir die Miere oft zwischen den gut gedüngten Rosen- oder Gemüsebeeten im Garten.
Löwenzahn dagegen holt mit seiner starken Pfahlwurzel die Nährstoffe aus tiefen Bodenschichten. Deswegen finden wir ihn dort, wo der Boden dicht ist und die Nährstoffe nur schwer zugänglich sind: Auf dem Rasen. Unsere Wiesen am Haus sind verdichtet, weil sie in Monokultur wachsen. Sie können kaum noch Wasser aufnehmen und die Nährstoffe können sich nicht durch eine natürliche Bodentätigkeit lösen.
Die Brennessel wächst nur dort, wo ein guter und humoser Boden anzutreffen ist. Das ist oft am Rande von Sträuchern oder Bäumen, wo die Blätter und Äste nicht aufgeräumt werden. Wenn ein bisher bebautes Feld zum Brachland wird, kommt zuerst die weißgelbe Kamille und dann der rote Mohn. Durch diese Pflanzen regeneriert sich der Boden und findet zu einer natürlichen Pflanzengemeinschaft zurück.
Jede Wildpflanze steht an einem für sie optimalen Standort. Das bedeutet: Sie hat die richtigen Nachbarn, sie hat den richtigen Boden, die Sonneneinstrahlung, die Temperatur und der Wind stimmen. Das Kleinklima ist für die Pflanzen und ihr Wachstum außerordentlich wichtig. Auch die Lebewesen im Boden: Bakterien, Pilze, Käfer, Würmer und viele mehr sorgen mit für die richtigen Bedingungen. Und das alles trägt dazu bei, dass die Wildkräuter sich gesund entwickeln können. Wildpflanzen haben optimale Zusammensetzungen von Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen, weil sie in optimalen Bedingungen wachsen. Das gilt trotz Umweltverschmutzung und anderen Belastungen, denen ja alle Pflanzen, Tiere und Menschen ausgesetzt sind.
Vitaminbomben im Frühjahr
Wildkräuter haben noch einen anderen Vorteil: Sie stehen am richtigen Ort und warten nur noch auf den richtigen Zeitpunkt, um mit dem Wachstum im Frühjahr zu beginnen. Das heißt, sie wachsen immer zum genau richtigen Zeitpunkt. Das führt dazu, daß wir - je nach Kälte oder Wärme im Frühjahr - schon Anfang März oder auch erst gegen Mitte April die ersten Kräuter "ernten" können.
In frisch gesammelten Wildkräutern im Frühjahr ist die ganze Kraft für die gesamte Wachstumsperiode gespeichert. Deswegen können sie uns schon in kleinen Mengen viel nutzen. Sie helfen mit, den Winterschlaf zu beenden und die Frühjahrsmüdigkeit zu vertreiben.
Welche Pflanzen ich sammle
Ich entdecke immer noch Kräuer und Pflanzen, die ich noch nicht kenne, die aber essbar sind. Durch Vergleiche und Bücher lerne ich dazu. Allerdings ist es wichtig, dass man nur die Pflanzen sammelt, die man ganz genau kennt. Ohne Erfahrung geht es nicht und kann es ebenso gefährlich werden wie mit unbekannten Pilzen. Deswegen sollte man sich an den Grundsatz halten: Ich sammle nur, was ich genau kenne!
So schmeckts mir am besten
Ich esse Wildkräuter am liebsten - bunt gemischt - unter Blattsalate. Auch in Quark gerührt entwickeln Wildkräuter ihr kräftiges Aroma. Manchmal mache ich ein Omlett mit frischen Wildkräutern, die sich zum Dünsten eignen, z.B. Bärenklau. Ein Löwenzahnsalat pur ist eine Delikatesse für mich - mit Zwiebeln, Zitrone, Salz und Öl und mit heißen Speckwürfeln! Mmmhh ... Eine Sauerampfersuppe im Frühjahr darf nicht fehlen. Knoblauchrauke wird in Öl angesetzt und entwickelt ein sehr feines Aroma. Bärlauch muß auch unbedingt sein, denn frisch schmeckt er am besten!
Aus meinem Garten
In meinem Naturgarten, der überwiegend ein Ziergarten ist, ernte ich: Blätter von Mohn, Astern und Margeriten, Triebe und Blätter der Glockenblume, Blätter von Malven, Rosenblüten, Blätter und Blüten von Gänseblümchen, Veilchen und Vergißmeinnicht, Gundelrebe, Bärlauch, Knoblauchrauke, Hopfen, Vogelmiere, Löwenzahn, Scharbockskraut, Taubnessel, Lungenkraut, Topinamburblätter und -knollen, Schafgarbe, Wegerich. Es gibt fast das ganze Jahr ein paar grüne Blättchen, die den täglichen Salat bereichern!
Schauen Sie meine Pflanzen- und Garten-Fotos an:
http://picasaweb.google.com/wildefreude
und hier gehts zu aktuellen Wildkräuter Infos BLOG
|
|