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Sonne im Skorpion "Ich will mich verwandeln"

Die Blätter, die sich in der Stierzeit entwickelt und ent­faltet ha­ben, müssen jetzt sterben. Die Kraft der Sonne ist schwach. Neblige und trübe Tage lassen die Blätter an den Bäumen braun werden und schrumplig. Alle Säfte ziehen sich unter die Erde in die Wurzeln zurück. Der Herbststurm hat es leicht. Die Blätter haben keine feste Verbindung mehr zum Baum. Sie las­sen sich fallen, sie lösen sich, lassen sich von Wind und Wasser tragen und trei­ben.

Die enge Verbindung zwischen Blatt und Baum hat schon vorher aufgehört. Zwischen dem Blatt und dem Baum hat sich allmählich eine Schutzhaut gebildet, die langsam den Säftefluß ver­mindert hat. Wenn die Blätter fallen, gibt es keine Verletzun­gen, keine Wunden.

Die Blätter, die sich in der Stierzeit entwickelt und ent­faltet ha­ben, hatten die Aufgabe, dem Baum umgewandelte Son­nenenergie zuzu­führen. Das haben sie getan, solange es genug Sonne gab. Seit der Tag und Nachtgleiche das Herbstes ist die Sonne nicht mehr stark genug. Die Früchte sind reif gewor­den, die Ernte ist vorbei. Die Blätter haben ihre Auf­gabe erfüllt, der Baum trennt sich mühelos von ihnen.

So, wie sich die Natur in der Skorpionzeit verwandelt, so will der Skorpionmensch diese Verwandlung erfahren. Er kann von sich sagen: "Ich will mich ver­wandeln" oder "Ich will mich tragen und treiben lassen". Er hat eine tiefe Sehnsucht danach, nicht alles selbst bestim­men zu müssen. Er möchte sich dem Fluß seines Lebens hingeben, wie ein Baumstamm in einem großen Fluß.

Doch der Skorpionmensch hat gerade davor Angst. Er möchte sich so gerne lösen von allen unwichtigen Dingen, er möchte alle Verkrampfungen zurücklassen und sich einfach fallenlassen. Und so übt er sein ganzes Leben, sich an Men­schen und Dinge, an Ge­wohnheiten und Mei­nungen zu bin­den um sie wieder loszulassen, um sie zu überwinden.


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