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Sonne im Schützen - "Ich will mich befreien"

Die Blätter bedecken nun den Boden, und das Leben hat sich vollständig in die Wurzeln zurückgezogen. Wenn wir einen Laubwald betrachten, so können wir nicht nur durch die blattlosen Äste den Himmel sehen, sondern auch den Boden. Die Blätter ha­ben den Blick begrenzt und gefangen. Jetzt kann unser Blick schwei­fen. Wir sehen den Stamm, die Äste und die Zweige des Baumes. All das war in den Monaten vorher unse­rem Blick schwer zugänglich. Der Baum zeigt sein inneres Wesen, das, was ihn wirklich aus­macht.

Das Leben der Pflanzen hat den Mut, sich unter die Erde z­rückzuziehen. Dort ist es verborgen, eingesperrt, wie in einem Gefängnis. Das ist nötig, um den Winter zu überstehen. Doch die Dunkelheit ist auch angsterregend. Das Leben glaubt fest daran, dass die dunkle Zeit vorübergeht. Es hat erfahren, dass sich alles ständig verändert. So wird auch diese Gefangenschaft vorübergehen. Das Laub wird von unzähligen Kleinstlebewesen zersetzt, da­bei ent­steht Wärme. Diese Wärme schützt das unterirdische Leben. Das Leben glimmt unter der Erde, wie die Glut unter der Asche.

Die Pflanzenseelen sehnen sich in dieser Zeit nach Licht, denn unter der Erde ist es dunkel. Sie erinnern sich an das Licht der Sonne im Sommer, und sie vertrauen fest darauf, dass sie dieses Licht wieder sehen werden.

So, wie die Pflanzen in der Schützezeit sich mutig zurückziehen und den Glauben an das Leben nicht aufgeben, so kann auch der Schützemensch von sich sagen: "Ich will vertrauen". Er will, trotz aller Angst, an das Leben und an das Licht glauben. Trotz aller Gefangen­heit glaubt er daran, dass das Leben sich verändert. "Ich will meinem tiefsten Gespür vertrauen", sagt der Schütze und stürzt sich in das Abenteuer des Lebens. Wieder und wieder sucht er Angst machende Situationen, denn nur in ihnen kann er seinen Mut schulen.

"Ich will etwas wagen", sagt der Schütze und kann all seine in­nere Kraft zusammennehmen, um es wirklich zu tun. Dahinter stek­ken Angst und Unsi­cherheit - geht das Leben wirklich weiter? Auch wenn ich mich oft wie in ei­nem Gefängnis fühle? Geht es weiter, wenn ich mich  neuen Ängsten aussetze?

Der Schütze ist ein Leben lang damit beschäftigt, in neue, beängstigende Si­tuationen hineinzugehen. Er will sich trauen, er will etwas wagen, er will Mut haben. Jedes geglückte Abenteuer gibt ihm neuen Mut, und er fühlt sich be­freit von der Angst. "Ich will mich befreien", sagt der Schütze und meint damit, dass er sich von all seinen inneren Ängsten und Zwängen befreien will. Er wünscht sich nichts sehnlicher, als in allen Situationen seines Lebens wirklich frei zu entscheiden.

Diese Freiheit ist ein innerer Zustand. Das ist dem Schützemenschen tief drinnen bewußt. Trotzdem versucht er ständig, sich von allen äußeren Fesseln zu lösen und alle äu­ßeren Zwänge zu überwinden. In­dem er außen tut, was er innen spürt, wird der Schütze zu einer Einheit zwischen In­nen und Au­ßengeführt. Seine 'Einsicht' wächst mit seinem Vertrauen.

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