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Astronomie - Warum das Kalenderjahr im Januar beginnt

Seit der Mensch die ständige Wiederholung des pflanzlichen Werdens und Vergehens erkannte, setzte er den Jahresanfang an den Frühlingsanfang, wenn alles begann zu sprießen und zu sprossen.

Auch für die alten Römer begann das neue Jahr ursprünglich am 1. März. Zu diesem Zeitpunkt war im amtlichen Verkehr der Beginn des Geschäftslebens und die neuen Konsuln traten ihr Amt an. Als nun im Jahre 154 vor Christus der Aufstand in den spanischen Kolonien ausbrach, sah der Senat sich genötigt, den Staatsnotstand zu erklären und gab den Konsuln den Auftrag, zuzusehen, dass der Staat nicht Schaden nehme. Um einen Wechsel im Kommando zu vermeiden, der der Einheitlichkeit nicht zuträglich wäre, verkürzte man damals durch amtlichen Beschluss das Jahr auf 10 Monate. Die neue Amtsperiode begann damit bereits am 1. Januar des Jahres 153 v.Chr.

Als etwa ein Jahrhundert später, am 1. Januar 46 v. Chr., mit Cäsars Kalenderreform zwei neue Monate - Juli und August - eingeführt wurden, ließ man die Monatsnamen September bis Dezember, die ihre ursprünglich wörtliche Bedeutung - für den siebenten bis zehnten Monat - ja bereits eingebüßt hatten, auch weiterhin bestehen, und zwar zur Bezeichnung für den 9. bis 12. Monat.

Der erste Tag jeden Monats war bisher dem zwiegesichtigen Janus geweiht. Nun erhielt der erste Monat des Jahres auch diesen Namen. Auf Cäsars Julianischem Kalender und seinen Monatsbezeichnungen - mit den Verbesserungen durch Papst Gregor im 16. Jahrhundert - beruht noch heute die Jahresrechnung der gesamten abendländischen Welt.

Natürlich musste die Änderung beim Volk auf Widerstand stoßen. Trotzdem bürgerte sich der neue Anfang bald ein. Die Festlichkeiten, mit denen man den Beginn des neuen Jahres feierte, gewannen besonderen Charakter. Die Konsuln, angetan mit der purpurgesäumten Toga, standen morgens vor ihrem Hause und erwarteten die Volksmenge, die, festlich in weiße Gewänder gekleidet, in feierlichen Prozessionen daherkam, um die beiden höchsten Amtsträger zum Kapitol zu geleiten, wo dem mächtigen Jupiter Optimus Maximus das Dank- und Bittopfer dargebracht wurde.

Die Sitte, zum Neujahrstage Geschenke auszutauschen, soll auf einen aus der Reihe der sieben Könige, auf Titus Tatius, zurückgehen. Der König schritt am ersten Tage des Januar in den Hain der Göttin Strenia - die Göttin der guten Vorzeichen - sammelte dort die Blätter des glückbringenden Eisenkrautes, felix arbor, und beschenkte mit ihnen seine Freunde.

Die Sitte weitete sich rasch aus. Man überreichte Freunden und Verwandten als glückverheißende Geschenke Datteln und getrocknete Feigen und weiße Vasen, die mit weißem Honig gefüllt waren. Damit das neue Jahr so süß wurde, wie die Geschenke waren!

Die Sitte am Neujahrstage Geschenke anzunehmen, wussten die späteren Könige alle zu schätzen, und standen den ganzen Morgen im Palasthof, um die Münzen persönlich entgegenzunehmen, die die Bürger brachten. Nachmittags und abends gab es dann ein Volksfest.

Im heutigen Frankreich, in dem Weihnachtsgeschenke nicht üblich sind, lebt dagegen die Sitte der Neujahrsgeschenke fort, und es mag aufhellend sein, dass ihre Bezeichnung "trennes" auf die römische Heilsgöttin Strenia zurückgeht.

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